Montag, 1. Oktober 2012

Meine zweite Woche im CENIT

Etwas verspätet, aber besser spät als nie, kommt hier noch mein Bericht über mein 2. Wochenende und meine 2. Woche hier in Quito. 

Unser 2. Wochenende

Unser zweites Wochenende haben wir Mädels, also Heni, Isi und ich, sehr entspannt angehen lassen. Die Jungs wollten unbedingt auf den Pichincha, den Hausberg von Quito. Doch uns war die Wanderung doch etwas zu anstrengend für das 2. Wochenende. Der Vulkan Rucu Pichincha ist nämlich 4690 m hoch und da ich sogar beim Treppensteigen die Höhe hier in Quito merke, war das sicher die beste Entscheidung. 
Wir Mädels waren dafür am Freitag mit noch ein paar anderen Voluntären vom CENIT abends noch weg und konnten dann schön entspannt am Samstag ausschlafen, während es bei den Jungs schon früh los ging.
Die Bilder, die Jonas und Fabian vom Pichincha aus gemacht haben, sind aber schon genial und ich bin mir sicher, dass ich da bald mal hoch will :)
Unser gechillter Tag hingegen bestand aus Eisessen auf der Plaza Grande und ein bisschen durch die Altstadt bummeln.
Abends haben wir 5 dann gemeinsam Wraps mit ganz viel Avocado gekocht und einen Film geschaut.
Avocados sind hier super billig! Normalerweise bekommt man hier so 2-3 für 1$, d.h. circa 0,80 €. Echt genial, denn ich liebe diese Frucht!
Wir schauen hier außerdem auch relativ viel Filme, denn auf dem Schwarzmarkt bekommt man hier jeden x-beliebigen Film für 1$. Dadurch ist unsere Filmsammlung im Grupo Game auch riesig und ich würd schätzen wir haben insgesamt so circa 200 Filme... Leider merkt man bei der Art der Filme aber, dass vor uns ziemlich viele Jungs im Grupo Game gewohnt haben und somit haben wir extrem viele Action- und Horrorfilme.

Am Sonntag sind wir 5 mit Anna und Angi (Annas Freundin, die sie für 2 Wochen besucht) mit dem Bus nach Otavalo. Busfahren über Land ist hier supergünstig, denn man zahlt ungefähr pro gefahrene Stunde einen Dollar. 
In Otavalo ist der bekannteste indigene Markt in ganz Ecuador. Besonders bekannt ist der Ort für den Markt am Samstag. Dann ist die ganze Stadt voller Marktständen und die Otavaleños (der ansässige Indianer-Stamm) verkaufen auf einem großen Handwerkermarkt ihre Produkte wie Ponchos, Alpakapullis, Taschen, Teppiche, Schmuck, Mützen und Hängematten. 
Da der Handwerkermarkt (mercado de artesanía) mittlerweile zu einem gigantischen Touristenmagnet geworden ist, findet dieser auch am Sonntag statt. Glück für uns und im Gegensatz zum touristischen Samstag war kaum etwas los auf dem Markt, was bessere Feilschbedingungen für uns bot :)
Dementsprechend groß war die Ausbeute und ich bin jetzt um 2 Taschen, einen kuscheligen Alpakapulli und eine Mütze aus Alpakawolle reicher.
Der Markt war super farbenfroh und die meisten Produkte sind zumindest angeblich vor Ort und in Handarbeit produziert. Verkauft werden die Handwerksprodukte von den Frauen der Otavaleños in ihren typischen Trachten und das verleiht dem Markt ein ganz besonders authentischen Flair.






Mmhh, lecker! Ich liebe Kokosnuss!





Zur Stärkung ging es nach dem Einkaufen noch in den Pie Shop am Plaza de Poncho. Den Tipp hatten wir aus meinem Reiseführer und es ist echt empfehlenswert: Es gab super leckeren Maracuja- und Schokokuchen :) Mhhmmm!


Auf der Heimfahrt durch die Sierra (Hochland Ecuador) konnten wir außerdem solche tollen Ausblicke genießen: 

Imbabura (4610 m) 

Meine 1. Woche im CENIT nach offiziellem Stundenplan:

Nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche ist hier einiges los. Die Woche vom 17.-21.9. war für uns alle das erste Mal alles nach offiziellem Stundenplan. Nach meinem momentanen Stundenplan arbeite ich 2mal die Woche morgens auf San Roque, gebe am Dienstag Englischunterricht in der ESTAR, am Mittwoch und Freitag Musikunterricht in der ESTAR, betreue Mittwoch und Donnerstags die Bibliothek, bin einmal die Woche nachmittags auf Camal, leite am Freitag den Chor im Colegio und bin 2 Nachmittage mit 'Venta y producción' beschäftigt.
Das der offizielle Stundenplan. Natürlich läuft noch nicht alles so wie es soll, aber im Vergleich zur Einführungswoche hatten wir viel weniger Warterei und konnten ernsthaft etwas vorantreiben.

Da meine Projekte für den Außenstehenden wahrscheinlich wie Kauderwelsch klingen, hier mal eine Erklärung der einzelnen Programme:
San Roque:
...ist einer der 2 Märkte auf denen wir unser Rescate Programm (Street Outreach) durchziehen. Unter'm Rescate kann man sich einen Art Kindergarten auf dem Markt vorstellen. D.h. jeden Tag fahren 2-4 Freiwillige gemeinsam mit einer Erzieherin auf den Markt, sammeln da die Kinder bei ihren Ständen bei ihren Eltern ein, bringen sie dann zu unserem Raum und nach dem Zähneputzen und Händewaschen, spielen wir dann mit ihnen. Außerdem lernen die Kinder bei uns so einfache Dinge wie die Zahlen, Nummern und Tiere. Um dies zu erreichen machen wir jeden Tag eine kleine Bastelaktivität, die z.B. diese Woche die verschiedenen Finger als Themen hatte. 
Außerdem bekommen die Kinder auch noch einen kleinen Snack, also z.B. Obst oder eine Tüte salziges Popcorn oder Chifles, so Art Tortilla-Chips.
Die Arbeit dort macht super viel Spaß und die Kinder sind supersüß!

Englischunterricht:
...gebe ich in der ESTAR, unserer Grundschule. Diese ist besonders, da hier die Kinder auch mit ihrer Schullaufbahn anfangen können, wenn sie älter als 6-7 Jahre alt sind. Das ist an den meisten ecuadorianischen Schulen sonst nicht möglich. Somit haben wir hier Kinder von 8-16 Jahren in einer Klasse. Die Klassen sind enorm klein, 3-10 Schüler, aber so sind optimale Lernbedingungen geboten. Außerdem haben die Kinder anstatt von 6 Jahren, nur 3 Jahre Unterricht. Das ist für viele Eltern auch ein Grund, dass sie ihre Kinder doch zum CENIT in die Schule schicken, denn dann fallen die Kinder nicht allzu lange als Arbeitskraft aus.
Gemeinsam mit Steffi, einer Voluntärin aus Österreich, unterrichte ich die Kinder der 1.-3. Klasse in Englisch. Besonders viel Grammatik oder ähnliches machen wir in der Grundschule natürlich nicht, sondern wir bringen ihnen z.B. die Farben, Zahlen oder Haustiere auf Englisch bei. Hierbei ist besonders unsere Kreativität gefragt, denn es soll ja Spaß machen. Meistens bringen wir ihnen die englischen Wörter durch Spiele bei und so haben wir sowohl beim Vorbereiten als auch beim Unterrichten sehr viel Spaß :)
Das erste Mal in den Klassen war für mich sehr aufregend und ich war sehr froh Steffi mit dabei gehabt zu haben. Mein Spanisch ist nämlich doch nicht ganz so gut, dass ich immer sofort alles im Griff hätte. Hermana Liliana, die Schwester, die die ESTAR leitet, hat uns gewarnt, dass wir streng mit den Kindern sein sollen, denn sonst tanzen sie uns nur auf der Nase herum. Ich war jedoch äußerst positiv überrascht, wie brav die Kinder doch waren.
Unsere 2. Klasse, mit gerade mal 4 Schülern, ist super nett und alle machen sehr gut mit.
Mit der 3. Klasse, mit 8 Schülern, kämpfen wir noch ein bisschen. Hier kann es dann schon mal passieren, dass Schüler einfach so aufstehen und einen Spaziergang durch das Klassenzimmer unternehmen.
Die 1. Klasse, mit 3 Schülern, ist in sofern schwierig, dass die 3 noch nicht lesen und schreiben können und keinerlei Idee vom Aufbau von Sprache und ähnlichem haben.
Es macht aber trotzdem echt viel Spaß und an der Aussprache, da üben wir nochmal ;)

Musikunterricht
... gebe ich auch in der ESTAR gemeinsam mit Heni und Isi. Heni spielt Gitarre und das wird uns da sicher helfen. Wir wollen den Kindern ein bisschen Musikwissen, aber vorallem Freude an der Musik vermitteln. Durch Musikstile erraten, Instrumentewettbewerbe, singen und spielen haben wir bis jetzt voll ins Schwarze getroffen und ich bin begeistert, wie gut sich meine 3. Klässler in Musik benehmen können.
Für die Musikstunden haben wir einmal die 3. Klasse und einmal die 1.+ 2.Klasse zusammen.
Besonders in diesen Stunden merke ich wie sich mein Spanisch verbessert, denn ich muss mich einfach so ausdrücken können, dass die Kinder mich verstehen.

Camal
... ist der andere Markt, auf dem wir unser Rescate-Programm durchziehen. Camal ist im Vergleich mit San Roque etwas kleiner und dort sind die Kinder meist etwas älter. In Camal bin ich einmal Nachmittags.

Venta y produccion
... = Verkauf und Produktion. In diesem Projekt bin ich für den Verkauf unserer im CENIT hergestellten Produkt zuständig und kontrolliere, dass die Produktion alles läuft. Bis jetzt bestand meine Venta y Producción- Zeit daraus aus nicht vollständigen und leider veralteten Leitfäden mir Informationen zusammenzusammeln. Meine Woche in Venta y Producción endete leider aus der ernüchternden Erkenntnis, dass ich nach dem Lesen der Leitfäden von anderen Freiwilligen genauso viel oder wenig weis, wie zuvor und dass sich meine genauen Aufgaben wohl erst mit der Zeit herausstellen werden.
Das Problem hierbei ist nämlich, dass meine Vorgängerin sämtliche Unterlagen auf ihrem Laptop hat und wir keine aktuellen Dokumente im CENIT haben. Meine Vorgängerin ist aber aus persönlichen Gründen, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, vor 4 Wochen spontan ohne Vorwarnung nach Europa zurückgekehrt...

Außerdem betreue ich noch die Bibliothek und leite den Chor im Colegio. Diese beiden Projekte liefen aber diese Woche noch nicht und stattdessen war ich immer auf San Roque bzw. auf Camal.

Am Dienstag waren wir auch das erste Mal beim Pubquiz. Das ist ein Quiz in einem Irish Pup im Mariscal das vom South American Explorer veranstaltet wird und dessen Gewinn zu 80% dem Rescate-Programm zukommt.
Dort müssen wir Voluntäre immer helfen über das CENIT zu berichten und das Geld einzusammeln.
Es findet jede Woche statt und wir waren das erste Mal nicht ganz so begeistert, aber da das CENIT hierdurch sehr viel Geld bekommt, denke ich dass es durchaus eine coole Aktion ist.

Am Mittwoch war wie immer unsere traditionelle Ladies Night im Attic und Huaina und der Abend war echt verdammt gut :)

Wie ihr seht, war meine Woche wieder super spannend und das Wochenende dannach war noch viel cooler! Aber mehr dazu im nächsten Blogpost...
Abrazos a todos
Judith

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