Donnerstag, 20. September 2012

Que chevere! - Meine erste Woche im CENIT

So schnell vergeht die Zeit! Ich bin mittlerweile schon ganze 15 Tage hier und irgendwie kommt es mir gar nicht so lang vor und doch fühl ich mich als wär ich schon ewig hier :)

Unser Wochenende

Vorletztes Wochenende waren wir am Samstag mit Cris, dem Fremdenführer vom Grupo Game, auf der Basilika und haben den gigantischen Ausblick über die Stadt genossen.
Dort oben habe ich zum ersten Mal eine Relation bekommen wie extrem groß die Stadt eigentlich ist. Quito erstreckt sich nämlich in einem Tal über 40 km und hat momentan schätzungsweise zwischen 2,5 und 3 Millionen Einwohner (eine genaue Registrierung gibt es hier nicht).




Die Altstadt mit dem Panecillo im Hintergrund



Der Norden Quitos



Nach dem Besuch der Basilica del Voto Nacional haben wir uns auf den Weg zum Panecillo gemacht. Das ist der Hügel bzw. Hausberg von Quito, auf dem sich auch die Marienstatue mit den Flügeln befindet. Die Virgen de Quito ist von vielen Teilen der Stadt gut zu sehen und wacht somit über Quito.
Von dort oben hatten wir auch eine echt tolle Aussicht und konnten vorallem den Süden der Stadt gut sehen. Im Süden der Stadt befindet sich auch das CENIT und dieser Teil der Stadt ist eher arm und wird von der einfachen Bevölkerung bewohnt.



Der Süden Quitos

Am Samstag waren wir auch das erste Mal abends weg und es war echt sehr gut :)
Es war das letzte Mal weggehen für Janina in Ecuador und dementsprechend kräftig wurde gefeiert.
Wir waren im Mariscal, dem Weggehviertel, in Quito und Anna und Janina haben uns in die Attic Bar mitgenommen und wir haben einen Salsa-club kurz besucht. Für den Salsa-club sollte man aber unbedingt Salsa tanzen können, sonst wirds peinlich und im Attic haben sie leider fast nur europäischen und amerikanischen Mainstream gespielt. Wir müssen unbedingt noch eine andere Bar oder einen Club ausfindig machen, der mehr Reggeaton, Salsa und mehr lateinamerikanische Rhythmen spielt.
Trotzdem hatten wir megamäßig viel Spaß und haben gscheid in Fabians Geburtstag hineingefeiert! :)

Den Sonntag haben wir dann dementsprechend ruhig und gemütlich angegangen. Heni ist am Vorabend nicht mit weggegangen und so kamen wir in den Genuss von Bananenpancakes und Milchshake zum ausgedehnten Geburtstagsfrühstück. Das haben wir natürlich wieder auf unserer Terasse bei strahlendem Sonnenschein veranstaltet:


Nachmittags haben wir dann noch unseren "Pool" (= eine alte Badewanne) eingeweiht. D.h. Heni und Jonas haben ihn geschrubbt, wir haben einen Stöpsel gebastelt und dann mit Wasser befüllt, sodass wir alle unsere Füße reinhängen konnten ;)


der "Pool" ;)


Unsere coole Hängematte 


Die Arbeit im CENIT

Am Montag gings dann los mit der Arbeit im CENIT.
Gemeinsam mit  anderen Freiwilligen aus aller Welt hatten Henriette, Isabell, Jonas, Fabian und ich unseren ersten Tag. Zusammen mit Anna und Janina sind wir ans CENIT (Centro de la Nina trabajadora = Zentrum des arbeitendes Mädchens) gefahren. Dafür fahren wir ungefähr 20 Minuten mit der Trole, also dem elektronisch betriebenen Bussystem.
Die ersten Tage waren für uns Freiwilligen Einführungstage, dass heißt wir konnten uns alle Projekte mal anschauen, hatten ein Seminar über positive Ermutigung und viel Zeit zum Kennenlernen.
Mit uns haben noch eine Belgierin, 4 Amerikaner, 1 anderer Deutscher und 2 Waliser neu im CENIT angefangen. Außerdem sind noch 1 Deutsche (Anna), der Italiener Emiliano, die Österreicher Betty und Steffi, die Canadierin Elena und die Amerikanerin Lorena als Voluntäre momentan im CENIT. Wir sind also richtig viele und so ist es immer sehr spaßig.
Außer unserem Einführungsprogramm hatten wir auch noch jeden Tag Einsatz auf den Märkten. Denn eines der wichtigsten Projekte des CENITs ist das Rescate (= Street Outreach). Das heißt wir, die Freiwilligen gehen auf die Märkte und sammeln die arbeitenden Kinder von den Ständen ihrer Eltern ab um mit ihnen zu spielen und ihnen wie im Kindergarten einfache Dinge wir Zahlen, Körperteile, Farben und Hygiene beizubringen. Diese Projekt gibt es in 2 Märkten dem Camal- Markt und auf San Roque.
Camal ist nur 5 Minuten vom CENIT entfernt, während man zu San Roque eine gute halbe Stunde mit dem Bus fährt.
Beide Märkte sind für europäische Verhältnisse unvorstellbar: Überall ist es dreckig, Fleisch wird ohne Kühlung verkauft, die Kinder helfen beim Erbsenpullen oder Zwiebelnschälen während dazwischen streunende Hunde herrumspringen. Auf diesen Märkten bekommt man wirklich alles vom Klopapier, Kochbananen, allem möglichen sonstigem Obst, Meerschweinchen und sonstiges Kleinvieh, aber auch Kohle und Hosenträger oder man lässt sich einfach an einem der Stände etwas schneidern.
Der Dreck, der Lärm und die Kinder, die inmitten all diesem Chaos spielen, hat mich am Anfang durchaus ganz schön bedrückt. Mittlerweile aber wenn man jeden Tag das Lachen auf den Gesichtern der Kinder sieht , macht es einfach nur Spaß da zu arbeiten und man gewöhnt sich doch recht schnell an die Gegebenheiten.
Wenn wir die Kinder abgeholt haben spielen wir immer Spiele im Kreis, singen Lieder und viele Kindern sind einfach nur happy wenn man sie auf den Arm nimmt, sie im Kreis dreht, huckepack nimmt oder etwas vorliest. Man merkt so richtig, wie vielen einfach der liebevolle Umgang und die Aufmerksamkeit fehlt.
Die Kinder versteht man zwar manchmal echt schlecht, aber sie verzeihen einem das schnell und sagen es auch zur Not 100mal :)
Leider ist unsere Organisation etwas verplant, was bedeutet, dass wir manchmal einfach nur eine halbe Stunde im Voluntariado, unserem Freiwilligenraum, warten. Und Reunión (Treffen, Meeting) ist unser Unwort der Woche, denn wannimmer jemand nicht kann, nicht da ist oder wahrscheinlich einfach keine Lust hat, ist die Person auf einer Reunión...
Aber Geduld ist ja etwas, das man immer wieder im Leben braucht und dann lerne ich wenigstens das :)


Meine restliche Woche:

In der letzten Woche haben wir außerdem das beste und genialste Eis in der Manabi, der Straße, die wir immer auf unserem Heimweg laufen, gegessen. Das Eis ist hausgemacht, mit super vielen Fruchtsorten, manchmal sogar mit Fruchtstücken und frisch gemachter Waffel. Ein Traum...

So sehen glückliche Voluntäre aus :)
Und wo wir grad beim Essen sind: Die erste Woche gabs noch kein Essen im CENIT und darum sind wir immer auf dem Markt essen gegangen.  Das Mittagessen ist eigentlich die Hauptmahlzeit in Ecuador und meistens kann man zwischen 1,50$ - 4$ sehr reichhaltig zu Mittag. Es gibt meistens eine Suppe oft mit Kartoffeln, Quinoa, viel Gemüse und meistens auch einem Stück Fleisch oder Fisch darin. Außerdem als Hauptgericht immer Reis mit Scheiß, d.h. Reis mit Gemüse, Linsen, Fleisch und am allerliebsten mit Huhn. Reis mit Scheiß übrigens nicht, weil es nicht gut schmeckt, sondern einfach weil es ständig Reis gibt und wir irgendwie schon keinen Reis mehr sehen können.
Gerne wird zum Essen Aji dazugegeben, eine scharfe Soße mit Korianer, Tomate, Zwiebeln und Chili, und Koriander ist das absolute Lieblingsgewürz und ist wirklich in jedem Gericht. Anfangs fand ich den Geschmack etwas seifig, aber mittlerweile gehört es einfach dazu und ich mag es. Außerdem gibt es immer einen frischgepressten Saft dazu. Dieser ist aber leider meistens stark verdünnt und mit viel Zucker gesüßt. Aber das Essen ist absolut lecker und man ist dannach immer mehr als satt.
Auf dem Markt war das Essen zwar manchmal ein bisschen eine Überraschung, besonders bei der Suppe, wussten wir nicht immer was wir da grad so essen. Aber es war immer super lecker und wir hatten auch keine Probleme vonwegen, dass wir es nicht vertragen hätten oder so. 

Am Dienstag mussten wir leider die liebe Janina verabschieden. Nach einem Jahr war ihre Zeit in Ecuador zu Ende und für sie ging es zurück nach Deutschland. Obwohl wir sie nur für ein paar Tage kennengelernt haben, habe ich ihr lebensfrohe Art doch ins Herz geschlossen und es war die ersten Tage echt komisch ohne sie hier. Zum Abschied hat sie für uns und ein paar andere Voluntäre alle gekocht.


Ein weiteres Event meiner letzten Woche war der Freitag. Gleich nach der Arbeit sind wir in ein Theaterstück der Cpscs (Consejo de Paricipación ciudadana y control social = Rat der bürgerlichen Mitbestimmung und sozialen Kontrolle). Wir wurden von der Mutter einer Schülerin eingeladen und das Theaterstück wurde von Laienschauspielern dargestellt, die ihre eigenen Geschichten präsentiert haben und dass man seine Träume erfüllen kann und aus seinen Fehlern und schlimmen Situationen entrinnen kann.
Dabei haben die Frauen von Gewalt gegenüber Afroecuadorianer, in den Familien, der Unterdrückung der Frau in Beruf und Familie, dem Alltag im Gefängnis, dem Ausgestoßenwerden aus der Gesellschaft und vielen weiteren Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen in der ecuadorianischen Gesellschaft erzählt. Das Theaterstück war sehr beeindruckend und hat mir besonders geholfen zu verstehen, was unsere Kinder jeden Tag durchmachen müssen, denn so gut wie alle Kinder in CENIT kommen aus solchen Problemfamilien. Die anschließende Diskussion und das Stück hat sehr zum Nachdenken angeregt und mir mal wieder vor Augen geführt, wie gut es uns eigentlich in Deutschland geht.
Nach dem Theaterstück sind wir dann weiter ins Casa Oriente, einem weiteren sehr beliebten Freiwilligenhaus. Dort haben wir gemeinsam mit einigen Voluntären vom CENIT einen Schweinekopf gegessen. Den hat Emiliano auf dem Markt in San Roque erstanden. Jeden Freitag gibt es diese frittierten Tierköpfe dort zu kaufen und Emiliano hatte Jonas und Fabian sehr schnell von der Idee überzeugt. Zuerst fanden wir Mädels das ganze doch sehr ekelhaft, aber schlussendlich war es superlecker! 
Und ich denke man bekommt hier durchaus eine andere Relation zum Essen. Denn man sieht jeden Tag die Tiere auf dem Markt usw.



Dannach sind wir dann noch gemeinsam weggegangen, was super witzig war :)


Da dieser Post schon so ewig lang ist, schreibe ich euch vom Wochenende und der jetzigen Woche in einem neuen Post :)
Mir geht es auf jeden Fall super und alles ist chévere (gut/ cool/toll)!
Abrazos a todos
Judith

3 Kommentare:

  1. Hey liebe Judith,

    das hört sich ja alles supi an bei dir :) Ich wünsch dir noch ganz viel Spaß und genieß die Zeit, ich find die geht manchmal viel zu schnell vorbei! Ich bin ja jetzt schon 2 Monate hier, WAHNSINN...
    Bis hoffentlich bald auf skype

    Ganz lieb Grüße aus North Carolina :*

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  2. hey Judith,
    ich finds super dass dir alles so gut gefällt und dass du dich wohl fühlst!
    Ich wünsch dir noch ganz viel Spaß und werd deine posts weiter verfolgen ;)
    Liebe Grüße Juli

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  3. Buenas dias judith :)
    verfolge immer ganz gespannt deine neuen Erlebnisse. Sounds good :D
    <3
    Meli

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